Autorin Simone Glitsch, 24.05.2026

5 Prozessmodelle im Vergleich | SAP, ARIS, REFA, PCF, Giersberg

Du brauchst ein klares Bild Deiner Unternehmensprozess? Dann beginne mit einem Prozessmodell. Ein Prozessmodell ist ein strukturierter Rahmen, um Prozesse systematisch zu erfassen. 

In diesem Artikel gebe ich Dir eine fundierte Übersicht über bekannte Prozessmodelle zur Abbildung von Unternehmensprozessen. Du erfährst, welche Ansätze es gibt, wer sie entwickelt hat und wofür sie konzipiert wurden. 

Mit über 30 Jahren Erfahrung und mehr als 100 Prozessprojekten habe ich unterschiedlichste Modelle in der Praxis erlebt. Manche funktionieren hervorragend für bestimmte Zwecke, andere stoßen an Grenzen, wenn es um die vollständige Abbildung des Unternehmens geht.

TL;DR – AUF DEN PUNKT GEBRACHT

Um transparente Unternehmensprozesse zu erhalten, solltest Du ein Prozessmodell verwenden. Hiermit kannst Du die Prozesslandschaft nach einem klaren Strukturprinzip abbilden.

Ich stelle in diesem Artikel die anerkannte Prozessmodelle – PCF für Benchmarking, SAP-Ansatz für ERP-Implementierungen, ARIS mit Fünf-Sichten-Architektur, REFA für Produktionsoptimierung und das Giersberg®-Prozessmodell für die unternehmensweite Abbildung für Mitarbeiter:innen und Management vor und vergleiche sie mit dem Giersberg®-Prozessmodell anhand von 10 Merkmalen.

So findest Du eine Orientierung bei der Auswahl des Prozessmodells für Deine Aufgabenstellung.

⏱ Lesezeit: 8 Minuten


 Inhalt 


Die wichtigsten Prozessmodelle im Überblick

PCF (Process Classification Framework)

Wer: American Productivity & Quality Center (APQC) gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern 

Wann: Anfang der 1990er Jahre entwickelt 

Warum: Gemeinsame Sprache für Geschäftsprozesse schaffen, um branchenübergreifendes Benchmarking zu ermöglichen 

Wofür: Objektive Leistungsmessung und Prozessvergleich zwischen Organisationen, Best-Practice-Austausch 

Besonderheit

  • Hierarchische Taxonomie (Category → Process Group → Process → Activity → Task)
  • Bewusst nicht unternehmensspezifisch, sondern branchenübergreifendes Standardmodell
  • Gliederung in Operating, Management und Support Processes
  • Reine Prozessklassifikation in Textform

Quelle: [1] APQC, Process Frameworks, https://www.apqc.org/process-frameworks 

SAP-Ansatz

Wer: Signavio SAP (SAP hat Signavio im März 2021 übernommen als Tool zur Prozessmodellierung) 

Wann: SAP-Prozessmodellierung entwickelt sich seit Jahrzehnten mit ERP-System, Signavio-Integration ab 2021

Warum: Geschäftsprozesse für SAP-Implementierungen strukturieren und End-to-End-Transformation ermöglichen

Wofür: Prozessmodellierung für SAP-Systeme, Business Process Intelligence, Process Mining, Prozess-Transformation

Besonderheit

  • Zwei parallele Strukturierungsansätze zur Wahl: 'Business Process Hierarchy' (Geschäftsszenario-Ansatz wie O2C) oder 'Lines of Business' (Aufbauorganisation)
  • BPMN ist in Signavio Standard für Geschäftsprozessmodellierung in allen Detaillierungsgraden
  • Modular nach SAP-Modulen strukturiert (SD, MM, FI/CO, PP)
  • Keine standardmäßige Verbindung zur Aufbauorganisation
  • Prozessbenennung frei gestaltbar ohne verbindliche Namenskonvention

Quelle: [2] SAP News Center, SAP schließt Akquisition von Signavio ab, März 2021, https://news.sap.com/germany/2021/03/akquisition-uebernahme-signavio/

ARIS (Architektur integrierter Informationssysteme)

Wer: Professor August-Wilhelm Scheer, Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität des Saarlandes; Unternehmen IDS Scheer (1984 gegründet, heute Software AG) 

Wann: Erste Prototypen 1990-1991, ARIS Toolset erste Version 1992, erstmals vorgestellt auf CeBIT 1993

Warum: Geschäftsprozesse ganzheitlich aus Sicht der Informationsverarbeitung beschreiben und betriebliche Informationssysteme vollständig ihren Anforderungen gerecht werden lassen 

Wofür: Geschäftsprozessmodellierung, -optimierung und Einführung von Anwendungssystemen (besonders SAP R/3), ISO-Zertifizierung, Change Management 

Besonderheit

  • Fünf-Sichten-Architektur (ARIS-Haus): Organisations-, Daten-, Leistungs-, Funktions- und Steuerungssicht
  • Drei Beschreibungsebenen: Fachkonzept, DV-Konzept, Implementierung
  • EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette) als Standard-Notation entwickelt
  • BPMN als eine von vielen Notationen nutzbar, primär EPK etabliert
  • Verbindung zur Aufbauorganisation als separate Sicht, nicht im Prozessmodell integriert
  • Vollständigkeit abhängig von Modellierungsentscheidungen

Quelle: [3] Wikipedia, ARIS, https://de.wikipedia.org/wiki/ARIS

REFA-Ansatz

Wer: Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung (REFA), seit 1977 REFA-Verband für Arbeitsstudien und Betriebsorganisation e.V. 

Wann: Gegründet 1924 in Berlin 

Warum: Standardisierte Methoden zur Arbeitszeitermittlung entwickeln und Produktivität in der Industrie steigern, faire Arbeitsbedingungen schaffen 

Wofür: Arbeits- und Zeitstudien, Prozessoptimierung in der Produktion, Betriebsorganisation, Wertstromanalyse, Industrial Engineering 

Besonderheit

  • Fokus auf Produktions- und Fertigungsprozesse in Industriebetrieben mit hoher Arbeitsteilung
  • Zeitstudien und Wertstromanalyse als zentrale Methoden
  • Ablauforganisation steht im Vordergrund, Aufbauorganisation folgt den Prozessen
  • DIN 66001 Flussdiagramme als primäre Notation (nicht BPMN)
  • Systematische Erfassung von Arbeitszeiten, Bearbeitungszeiten, Durchlaufzeiten
  • Keine vollständige Gesamtunternehmensabbildung, primär produktionsnahe Bereiche

Quelle: [4] 100 Jahre REFA, Entwicklungsgeschichte der REFA-Methoden, https://100-jahre-refa.de/entwicklungsgeschichte-der-refa-methoden-und-des-schrifttums

Giersberg®-Prozessmodell 

Das Giersberg®-Prozessmodell beschreibe ich im Buch 'Geschäftsprozesse erkennen, verstehen und optimieren' ausführlich. Ein PDF mit weiterführenden Infos kannst Du Dir hier downloaden: https://prozessoptimierung-sprung.de/prozessmodell/


Die 10 Merkmale des Giersberg®-Prozessmodells im Vergleich

In diesem Artikel stehen diese Merkmale des Giersberg®-Prozessmodells im Vordergrund:

  • Merkmal 1 – Visualisierte Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation
  • Merkmal 2 – Durchgängige Verbindung von der Übersicht bis ins Detail
  • Merkmal 3 – Ein Geschäftsprozess ist immer gleich zugeschnitten
  • Merkmal 4 – Vier klar abgegrenzte Darstellungsformen
  • Merkmal 5 – Referenz für alle Darstellungsformen
  • Merkmal 6 – BPMN wird dort genutzt, wo es sinnvoll ist
  • Merkmal 7 – Durchführungsverantwortung wird sauber dargestellt
  • Merkmal 8 – Prozesse werden konkret benannt und sind einfach zuordenbar
  • Merkmal 9 – Prozessketten werden wertschöpfungsorientiert betrachtet

Ich vergleiche jedes Merkmal mit den vorgestellen Prozessmodellen und möchte Dir so den Überblick erleichtern, welches Prozessmodell für Dein Vorhaben an geeignetsten ist.


Merkmal 1 – Visualisierte Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation

Im Giersberg®-Prozessmodell werden die Prozesse aus der Aufbauorganisation abgeleitet.

Die kleinste Einheit der Arbeitsteilung ist die Abteilung oder auch manchmal Team genannt. Gemeint ist die Organisationseinheit, in der alle Mitarbeitenden das Gleiche Arbeitsergebnis erzeugen. Jede Abteilung ist Teil einer Prozesskette, einer zeitlich-logischen Folge der Zusammenarbeit der Abteilungen, um ein Ergebnis für den Kunden oder das Unternehmen zu schaffen.

So visualisiert das Giersberg®-Prozessmodell, die Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation ganz konkret.

Im Vergleich:

  • SAP: Keine standardmäßige Verbindung, freie Zuordnung von Rollen möglich 
  • PCF: Keine Ableitung aus Aufbauorganisation, branchenübergreifende Taxonomie 
  • ARIS: Organisationssicht als separate Sicht, nicht direkt in Prozessdarstellung integriert 
  • REFA: Ablauforganisation vor Aufbauorganisation, Fokus auf Arbeitsabläufe statt Struktur 

Merkmal 2 – Durchgängige Verbindung von der Übersicht bis ins Detail

Das Giersberg®-Prozessmodell bietet vier klar definierte Ebenen: Von der Prozesslandkarte (Ebene 1) über Prozessketten (Ebene 2) und Geschäftsprozesse (Ebene 3) bis zu weiterführenden Regelungen (Ebene 4). Die Ebenen bauen logisch aufeinander auf – Du kannst von der Übersicht der Prozesslandkarte direkt ins Detail navigieren.

Im Vergleich

  • SAP: Hierarchische Ebenen vorhanden, aber keine verbindliche Durchgängigkeit zwischen allen Ebenen 
  • PCF: Fünf Hierarchieebenen (Category bis Task), primär als Klassifikation, nicht als Ablaufdarstellung
  • ARIS: Drei Beschreibungsebenen (Fachkonzept, DV-Konzept, Implementierung), aber keine standardisierte Prozessebenen-Hierarchie 
  • REFA: Fokus auf operative Ebene (Arbeitsschritte, Zeitmessung), keine durchgängige Hierarchie bis zur strategischen Ebene 

Merkmal 3 – Ein Geschäftsprozess ist immer gleich zugeschnitten

Im Giersberg®-Prozessmodell beginnt jeder Geschäftsprozess mit einem Startereignis und endet mit einem Ergebnis, das die durchführungsverantwortliche Abteilung erstellt hat. Dieser einheitliche Zuschnitt ermöglicht VerGLEICHbarkeit, denn hierfür ist die gleiche Systematik essentiell.

Im Vergleich

  • SAP: Prozesszuschnitt frei gestaltbar, abhängig von Geschäftsszenarien (z.B. O2C) oder Modulen 
  • PCF: Prozesse als Klassifikationselemente, kein einheitlicher Zuschnitt mit Start-/Endereignis 
  • ARIS: Prozesszuschnitt abhängig von Modellierungsentscheidung, keine verbindliche Regel 
  • REFA: Zuschnitt orientiert sich an Arbeitsvorgängen und Zeitabschnitten, nicht an Abteilungsergebnissen
     

Merkmal 4 – Vier klar abgegrenzte Darstellungsformen

Das Giersberg®-Prozessmodell nutzt für jede der vier Ebenen eine spezifische Darstellungsform: Prozesslandkarte (Ebene 1), BPMN-Prozessketten (Ebene 2), BPMN-Geschäftsprozesse (Ebene 3) und freie Darstellungsart für weiterführende Regelungen (Ebene 4). Jede Form hat einen klaren Zweck.

Im Vergleich

  • SAP: BPMN in allen Detaillierungsgraden, keine spezifischen Darstellungsformen pro Ebene 
  • PCF: Reine Textklassifikation, keine grafische Notation 
  • ARIS: Vielzahl an Notationen und Modelltypen (EPK, Organigramm, ERM etc.), Auswahl erfolgt projektspezifisch 
  • REFA: DIN 66001 Flussdiagramme, Wertstromdarstellung, keine BPMN-Notation 

Merkmal 5 – Referenz für alle Darstellungsformen

Im Giersberg®-Prozessmodell ist die Prozesslandkarte (Ebene 1) die zentrale Referenz für alle nachgelagerten Ebenen. Jede Prozesskette, jeder Geschäftsprozess und jede weiterführende Regelung lässt sich eindeutig zur Prozesslandkarte zurückverfolgen.

Im Vergleich

  • SAP: Keine verbindliche zentrale Referenzebene, abhängig vom gewählten Strukturierungsansatz 
  • PCF: Category-Ebene als oberste Referenz, primär für Benchmarking-Zwecke 
  • ARIS: Keine verbindliche Referenz-Ebene, abhängig von Modellierungsentscheidungen 
  • REFA: Keine übergreifende Referenzebene, Fokus auf operative Arbeitsebene

Merkmal 6 – BPMN wird dort genutzt, wo es sinnvoll ist

Im Giersberg®-Prozessmodell kommt BPMN auf Ebene 2 (Prozessketten) und Ebene 3 (Geschäftsprozesse) zum Einsatz – dort, wo Abläufe, Verzweigungen und Verantwortlichkeiten detailliert dargestellt werden müssen. Die Prozesslandkarte (Ebene 1) nutzt bewusst keine BPMN-Notation, eine andere Darstellungsform ist leichter verständlich.

Im Vergleich

  • SAP: BPMN als Standard für alle Detaillierungsgrade 
  • PCF: Keine BPMN-Notation im Framework selbst, reine Prozessklassifikation in Textform 
  • ARIS: EPK als primäre Notation, BPMN als Alternative nutzbar 
  • REFA: DIN 66001 Flussdiagramme, keine BPMN-Notation 

Merkmal 7 – Durchführungsverantwortung wird sauber dargestellt

Im Giersberg®-Prozessmodell wird ausschließlich die Durchführungsverantwortung visualisiert – die Mitarbeitenden der Abteilung, die den Prozess tatsächlich ausführen. Die Entscheidungsverantwortung wird nicht gezeigt, sie ist bereits im Organigramm festgelegt.

Im Vergleich

  • SAP: Freie Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten (RACI etc.), keine Einschränkung auf Durchführungsverantwortung 
  • PCF: Keine Visualisierung von Verantwortlichkeiten im Framework selbst 
  • ARIS: Organisationssicht als separate Darstellung, verschiedene Verantwortungstypen modellierbar 
  • REFA: Fokus auf ausführende Arbeitskräfte, keine differenzierte Verantwortungsdarstellung 

Merkmal 8 – Prozesse werden konkret benannt und sind einfach zuordenbar

Im Giersberg®-Prozessmodell tragen Prozesse konkrete, praxisnahe Namen wie „Kundenauftrag anlegen" oder „Lieferantenrechnung prüfen". Die Benennung orientiert sich an der Fachsprache des Unternehmens – nicht an abstrakten Funktionsbegriffen.

Im Vergleich

  • SAP: Prozessbenennung frei gestaltbar 
  • PCF: Standardisierte, abstrakte Bezeichnungen für branchenübergreifende Vergleichbarkeit (z.B. „Develop and Manage Products") 
  • ARIS: Prozessbenennung projektspezifisch, keine verbindliche Namenskonvention 
  • REFA: Benennung orientiert sich an Arbeitsvorgängen und Tätigkeiten (z.B. „Werkstück einspannen") 

Merkmal 9 – Prozessketten werden wertschöpfungsorientiert betrachtet

Im Giersberg®-Prozessmodell werden Prozessketten in drei Typen unterschieden: wertschöpfend (erzeugen Kundennutzen), supportend (erzeugen intern benötigte Ergebnisse) und managend (steuern das Unternehmen). Diese Unterscheidung zeigt klar, welche Prozessketten direkt zur Wertschöpfung beitragen.

Im Vergleich

  • SAP: Keine systematische Unterscheidung nach Wertschöpfungstypen, Strukturierung nach Modulen oder Geschäftsszenarien 
  • PCF: Unterscheidung in Operating, Management und Support Processes – ähnlich, aber als Benchmarking-Kategorien 
  • ARIS: Keine verbindliche Typisierung nach Wertschöpfung, projektspezifisch modellierbar 
  • REFA: Fokus auf wertschöpfende Produktionsprozesse, supportende und managende Bereiche weniger systematisch erfasst 

Merkmal 10 – Die Gesamtheit des Unternehmens wird vollständig abgebildet

Das Giersberg®-Prozessmodell betrachtet auf Basis der Aufbauorganisation das Unternehmen holistisch. Es lenkt damit den Fokus weg von der Betrachtung einzelner funktionaler Bereiche hin zur Wahrnehmung des gesamten Unternehmens mit allen Einzelteilen.

Im Vergleich

  • SAP: Module decken verschiedene Bereiche ab, Vollständigkeit abhängig von Implementierungsumfang
  • PCF: Bewusst nicht unternehmensspezifisch vollständig – als branchenübergreifendes Standardmodell für Benchmarking konzipiert
  • ARIS: Vollständigkeit abhängig von Modellierungsentscheidungen, kein systematischer Vollständigkeitsanspruch
  • REFA: Fokus auf Produktions- und Arbeitsabläufe, keine systematische Gesamtunternehmensabbildung
     

FAZIT

Prozessmodelle sind der Orientierungsrahmen, um die Abläufe Deines Unternehmens zu verstehen.

Es gibt hierfür verschiedene Ansätze, die den Fokus auf ein bestimmtes Ziel legen wie: PCF für branchenübergreifendes Benchmarking, SAP-Ansatz für ERP-Implementierungen, ARIS mit seiner Fünf-Sichten-Architektur oder REFA für produktionsnahe Optimierung.

Das Giersberg®-Prozessmodell ist das jüngste Modell und unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt: Es verbindet von Anfang an Aufbau- und Ablauforganisation und bildet das gesamte Unternehmen neutral ab.  

Es schneidet jeden Geschäftsprozess einheitlich zu und bildet Dein gesamtes Unternehmen vollständig ab – ohne Lücken.

Wenn Du vor der Einführung eines ERP-Systems oder Managementsystems stehst, lohnt sich die BEschäftigung mit der Frage: Welches Prozessmodell passt zu den Zielen?


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Welches Prozessmodell eignet sich am besten für Unternehmensgruppen? 

Für Unternehmensgruppen brauchst Du ein Prozessmodell, das sowohl die Eigenständigkeit der einzelnen Gesellschaften als auch die übergreifenden Strukturen abbildet.
Das Giersberg®-Prozessmodell ist hier ideal: Es leitet die Prozesse systematisch aus der jeweiligen Aufbauorganisation ab – und kann gleichzeitig gruppenweite Standards definieren. Jede Gesellschaft erhält ihre individuelle Prozesslandkarte, die zu ihrer Organisationsstruktur passt. Gemeinsame Prozessketten (etwa zentrale IT, Einkauf oder Controlling) lassen sich transparent als Shared Services darstellen. 
So behältst Du den Überblick über Synergien und Schnittstellen – ohne die Strukturen der Tochtergesellschaften zu ignorieren. 

Kann ich mehrere Prozessmodelle parallel in meinem Unternehmen nutzen? 

Theoretisch ja, praktisch wird es kompliziert. Verschiedene Modelle nutzen unterschiedliche Logiken für Prozessschnitte, Verantwortlichkeiten und Hierarchieebenen. Das führt zu Inkonsistenzen, Übersetzungsaufwand und Verwirrung bei Mitarbeitenden.
Sinnvoller ist es, ein Prozessmodell als Basis zu wählen und bei Bedarf Elemente anderer Ansätze gezielt zu integrieren – etwa REFA-Zeitstudien innerhalb eines Giersberg®-Prozessmodells. 

Muss ich BPMN können, um mit einem Prozessmodell zu arbeiten? 

Nein, nicht zwingend. BPMN ist eine Notationssprache für die detaillierte Darstellung von Prozessabläufen – aber nicht jedes Prozessmodell setzt ausschließlich auf BPMN. PCF arbeitet textbasiert, REFA nutzt DIN 66001 Flussdiagramme, ARIS setzt primär auf EPK. 
Im Giersberg®-Prozessmodell kommt BPMN auf den Ebenen 2 und 3 zum Einsatz, die Prozesslandkarte (Ebene 1) zeigt die Struktur jedoch ohne BPMN-Notation. Du brauchst BPMN-Kenntnisse erst, wenn Du Prozesse im Detail modellierst. 

Wie aufwendig ist die Einführung eines Prozessmodells? 

Das Prozessmodell wird nicht eingeführt, sondern angewendet. Ausgehend von dem Prozessmodell strukturierst Du die Abläufe Deines Unternehmens und bildest sie nach dem Modell ab.
Der Aufwand hängt von drei Faktoren ab: Unternehmensgröße, Komplexität der Abläufe und Reifegrad Deiner Prozessorganisation.
Ein durchdachtes Prozessmodell wie das Giersberg®-Prozessmodell reduziert den Aufwand durch klare Regeln für Prozessschnitte und einheitliche Darstellungsformen. Rechne für ein mittelständisches Unternehmen mit 50-200 Mitarbeitenden mit 3-6 Monaten für die Ersterfassung der Prozesslandkarte und der wichtigsten Prozessketten. Die Detaillierung erfolgt dann schrittweise nach Priorität. 

Was ist der Vorteil eines vollständigen Prozessmodells gegenüber einer Teilabbildung? 

Eine Teilabbildung – etwa nur der Kernprozesse oder nur der Produktion – lässt Lücken an den Schnittstellen. Du siehst nicht, wie supportende Bereiche wie IT, HR oder Einkauf mit den wertschöpfenden Prozessen verzahnt sind.
Ein vollständiges Prozessmodell wie das Giersberg®-Prozessmodell zeigt alle drei Prozessketten-Typen (wertschöpfend, supportend, managend) und macht sichtbar, wo Abhängigkeiten, Engpässe oder Doppelarbeiten entstehen. Das ist besonders wichtig vor ERP-Einführungen oder bei ISO-Zertifizierungen. 

Wie unterscheidet sich das Giersberg®-Prozessmodell von Best-Practice-Modellen wie PCF? 

PCF ist ein branchenübergreifendes Standardmodell für Benchmarking – es zeigt, welche Prozesse typischerweise in Unternehmen vorkommen, aber nicht, wie Dein spezifisches Unternehmen organisiert ist.
Das Giersberg®-Prozessmodell dagegen leitet die Prozesse aus Deiner Aufbauorganisation ab und bildet Dein Unternehmen individuell ab. Es ist kein Vergleichsmodell, sondern Dein maßgeschneiderter Orientierungsrahmen. 

Wie unterscheidet sich das Giersberg®-Prozessmodell von SAP-Standardprozessen? 

SAP-Standardprozesse sind vorkonfigurierte Ablaufszenarien, die typische Geschäftsvorfälle in SAP-Modulen abbilden – etwa Order-to-Cash oder Purchase-to-Pay. Sie zeigen, wie Transaktionen im System funktionieren, aber nicht, wie Dein Unternehmen organisatorisch strukturiert ist.
Das Giersberg®-Prozessmodell bildet dagegen Deine gesamte Unternehmensarchitektur ab – unabhängig vom ERP-System. Es zeigt die Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation und dient als Grundlage, um zu entscheiden, welche SAP-Standardprozesse zu Deinen Abläufen passen und wo Anpassungen nötig sind (Fit-to-Standard vs. Customizing). 

Quellenverzeichnis

[1] APQC, Process Frameworks, https://www.apqc.org/process-frameworks

[2] SAP News Center, SAP schließt Akquisition von Signavio ab, März 2021, https://news.sap.com/germany/2021/03/akquisition-uebernahme-signavio/ 

[3] Wikipedia, ARIS, https://de.wikipedia.org/wiki/ARIS

[4] 100 Jahre REFA, Entwicklungsgeschichte der REFA-Methoden und des Schrifttums, https://100-jahre-refa.de/entwicklungsgeschichte-der-refa-methoden-und-des-schrifttums 

Weiterführende Ressourcen

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Simone Glitsch

Mentorin für Inhouse Prozess-Projekt-Leitungen

Simone Glitsch, ich bin Expertin für prozessorientierte Unternehmenstransformation.

Früher war ich klassische Beraterin. Doch nach 25 Jahren und über 100 Projekten habe ich beschlossen: Ich mache es anders.
Heute bin ich darauf spezialisiert, Prozess-Projekte für große Unternehmen erfolgreich zu machen.
Statt ‚Versuch und Irrtum‘ führe ich meine Kunden mit meinem Giersberg®-Prozesssystem schnell und mit geringstem Aufwand zum Ergebnis. Ich stehe Dir als Projektleiter:in als Mentorin zur Seite und unterstütze Dich mit einem Train-the-Trainer System.

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