Du brauchst ein klares Bild Deiner Unternehmensprozess? Dann beginne mit einem Prozessmodell. Ein Prozessmodell ist ein strukturierter Rahmen, um Prozesse systematisch zu erfassen.
In diesem Artikel gebe ich Dir eine fundierte Übersicht über bekannte Prozessmodelle zur Abbildung von Unternehmensprozessen. Du erfährst, welche Ansätze es gibt, wer sie entwickelt hat und wofür sie konzipiert wurden.
Mit über 30 Jahren Erfahrung und mehr als 100 Prozessprojekten habe ich unterschiedlichste Modelle in der Praxis erlebt. Manche funktionieren hervorragend für bestimmte Zwecke, andere stoßen an Grenzen, wenn es um die vollständige Abbildung des Unternehmens geht.
TL;DR – AUF DEN PUNKT GEBRACHT
Um transparente Unternehmensprozesse zu erhalten, solltest Du ein Prozessmodell verwenden. Hiermit kannst Du die Prozesslandschaft nach einem klaren Strukturprinzip abbilden.
Ich stelle in diesem Artikel die anerkannte Prozessmodelle – PCF für Benchmarking, SAP-Ansatz für ERP-Implementierungen, ARIS mit Fünf-Sichten-Architektur, REFA für Produktionsoptimierung und das Giersberg®-Prozessmodell für die unternehmensweite Abbildung für Mitarbeiter:innen und Management vor und vergleiche sie mit dem Giersberg®-Prozessmodell anhand von 10 Merkmalen.
So findest Du eine Orientierung bei der Auswahl des Prozessmodells für Deine Aufgabenstellung. Lesezeit: 8 Minuten
Die wichtigsten Prozessmodelle im Überblick
PCF (Process Classification Framework)
Wer: American Productivity & Quality Center (APQC) gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern
Wann: Anfang der 1990er Jahre entwickelt
Warum: Gemeinsame Sprache für Geschäftsprozesse schaffen, um branchenübergreifendes Benchmarking zu ermöglichen
Wofür: Objektive Leistungsmessung und Prozessvergleich zwischen Organisationen, Best-Practice-Austausch
Besonderheit:
- Hierarchische Taxonomie (Category → Process Group → Process → Activity → Task)
- Bewusst nicht unternehmensspezifisch, sondern branchenübergreifendes Standardmodell
- Gliederung in Operating, Management und Support Processes
- Reine Prozessklassifikation in Textform
Quelle: [1] APQC, Process Frameworks, https://www.apqc.org/process-frameworks
SAP-Ansatz
Wer: Signavio SAP (SAP hat Signavio im März 2021 übernommen als Tool zur Prozessmodellierung)
Wann: SAP-Prozessmodellierung entwickelt sich seit Jahrzehnten mit ERP-System, Signavio-Integration ab 2021
Warum: Geschäftsprozesse für SAP-Implementierungen strukturieren und End-to-End-Transformation ermöglichen
Wofür: Prozessmodellierung für SAP-Systeme, Business Process Intelligence, Process Mining, Prozess-Transformation
Besonderheit:
- Zwei parallele Strukturierungsansätze zur Wahl: 'Business Process Hierarchy' (Geschäftsszenario-Ansatz wie O2C) oder 'Lines of Business' (Aufbauorganisation)
- BPMN ist in Signavio Standard für Geschäftsprozessmodellierung in allen Detaillierungsgraden
- Modular nach SAP-Modulen strukturiert (SD, MM, FI/CO, PP)
- Keine standardmäßige Verbindung zur Aufbauorganisation
- Prozessbenennung frei gestaltbar ohne verbindliche Namenskonvention
Quelle: [2] SAP News Center, SAP schließt Akquisition von Signavio ab, März 2021, https://news.sap.com/germany/2021/03/akquisition-uebernahme-signavio/
ARIS (Architektur integrierter Informationssysteme)
Wer: Professor August-Wilhelm Scheer, Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität des Saarlandes; Unternehmen IDS Scheer (1984 gegründet, heute Software AG)
Wann: Erste Prototypen 1990-1991, ARIS Toolset erste Version 1992, erstmals vorgestellt auf CeBIT 1993
Warum: Geschäftsprozesse ganzheitlich aus Sicht der Informationsverarbeitung beschreiben und betriebliche Informationssysteme vollständig ihren Anforderungen gerecht werden lassen
Wofür: Geschäftsprozessmodellierung, -optimierung und Einführung von Anwendungssystemen (besonders SAP R/3), ISO-Zertifizierung, Change Management
Besonderheit:
- Fünf-Sichten-Architektur (ARIS-Haus): Organisations-, Daten-, Leistungs-, Funktions- und Steuerungssicht
- Drei Beschreibungsebenen: Fachkonzept, DV-Konzept, Implementierung
- EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette) als Standard-Notation entwickelt
- BPMN als eine von vielen Notationen nutzbar, primär EPK etabliert
- Verbindung zur Aufbauorganisation als separate Sicht, nicht im Prozessmodell integriert
- Vollständigkeit abhängig von Modellierungsentscheidungen
Quelle: [3] Wikipedia, ARIS, https://de.wikipedia.org/wiki/ARIS
REFA-Ansatz
Wer: Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung (REFA), seit 1977 REFA-Verband für Arbeitsstudien und Betriebsorganisation e.V.
Wann: Gegründet 1924 in Berlin
Warum: Standardisierte Methoden zur Arbeitszeitermittlung entwickeln und Produktivität in der Industrie steigern, faire Arbeitsbedingungen schaffen
Wofür: Arbeits- und Zeitstudien, Prozessoptimierung in der Produktion, Betriebsorganisation, Wertstromanalyse, Industrial Engineering
Besonderheit:
- Fokus auf Produktions- und Fertigungsprozesse in Industriebetrieben mit hoher Arbeitsteilung
- Zeitstudien und Wertstromanalyse als zentrale Methoden
- Ablauforganisation steht im Vordergrund, Aufbauorganisation folgt den Prozessen
- DIN 66001 Flussdiagramme als primäre Notation (nicht BPMN)
- Systematische Erfassung von Arbeitszeiten, Bearbeitungszeiten, Durchlaufzeiten
- Keine vollständige Gesamtunternehmensabbildung, primär produktionsnahe Bereiche
Quelle: [4] 100 Jahre REFA, Entwicklungsgeschichte der REFA-Methoden, https://100-jahre-refa.de/entwicklungsgeschichte-der-refa-methoden-und-des-schrifttums
Giersberg®-Prozessmodell
Das Giersberg®-Prozessmodell beschreibe ich im Buch 'Geschäftsprozesse erkennen, verstehen und optimieren' ausführlich. Ein PDF mit weiterführenden Infos kannst Du Dir hier downloaden: https://prozessoptimierung-sprung.de/prozessmodell/
Die 10 Merkmale des Giersberg®-Prozessmodells im Vergleich
In diesem Artikel stehen diese Merkmale des Giersberg®-Prozessmodells im Vordergrund:
- Merkmal 1 – Visualisierte Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation
- Merkmal 2 – Durchgängige Verbindung von der Übersicht bis ins Detail
- Merkmal 3 – Ein Geschäftsprozess ist immer gleich zugeschnitten
- Merkmal 4 – Vier klar abgegrenzte Darstellungsformen
- Merkmal 5 – Referenz für alle Darstellungsformen
- Merkmal 6 – BPMN wird dort genutzt, wo es sinnvoll ist
- Merkmal 7 – Durchführungsverantwortung wird sauber dargestellt
- Merkmal 8 – Prozesse werden konkret benannt und sind einfach zuordenbar
- Merkmal 9 – Prozessketten werden wertschöpfungsorientiert betrachtet
Ich vergleiche jedes Merkmal mit den vorgestellen Prozessmodellen und möchte Dir so den Überblick erleichtern, welches Prozessmodell für Dein Vorhaben an geeignetsten ist.
Merkmal 1 – Visualisierte Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation
Im Giersberg®-Prozessmodell werden die Prozesse aus der Aufbauorganisation abgeleitet.
Die kleinste Einheit der Arbeitsteilung ist die Abteilung oder auch manchmal Team genannt. Gemeint ist die Organisationseinheit, in der alle Mitarbeitenden das Gleiche Arbeitsergebnis erzeugen. Jede Abteilung ist Teil einer Prozesskette, einer zeitlich-logischen Folge der Zusammenarbeit der Abteilungen, um ein Ergebnis für den Kunden oder das Unternehmen zu schaffen.
So visualisiert das Giersberg®-Prozessmodell, die Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation ganz konkret.
Im Vergleich:
- SAP: Keine standardmäßige Verbindung, freie Zuordnung von Rollen möglich
- PCF: Keine Ableitung aus Aufbauorganisation, branchenübergreifende Taxonomie
- ARIS: Organisationssicht als separate Sicht, nicht direkt in Prozessdarstellung integriert
- REFA: Ablauforganisation vor Aufbauorganisation, Fokus auf Arbeitsabläufe statt Struktur
Merkmal 2 – Durchgängige Verbindung von der Übersicht bis ins Detail
Das Giersberg®-Prozessmodell bietet vier klar definierte Ebenen: Von der Prozesslandkarte (Ebene 1) über Prozessketten (Ebene 2) und Geschäftsprozesse (Ebene 3) bis zu weiterführenden Regelungen (Ebene 4). Die Ebenen bauen logisch aufeinander auf – Du kannst von der Übersicht der Prozesslandkarte direkt ins Detail navigieren.
Im Vergleich:
- SAP: Hierarchische Ebenen vorhanden, aber keine verbindliche Durchgängigkeit zwischen allen Ebenen
- PCF: Fünf Hierarchieebenen (Category bis Task), primär als Klassifikation, nicht als Ablaufdarstellung
- ARIS: Drei Beschreibungsebenen (Fachkonzept, DV-Konzept, Implementierung), aber keine standardisierte Prozessebenen-Hierarchie
- REFA: Fokus auf operative Ebene (Arbeitsschritte, Zeitmessung), keine durchgängige Hierarchie bis zur strategischen Ebene
Merkmal 3 – Ein Geschäftsprozess ist immer gleich zugeschnitten
Im Giersberg®-Prozessmodell beginnt jeder Geschäftsprozess mit einem Startereignis und endet mit einem Ergebnis, das die durchführungsverantwortliche Abteilung erstellt hat. Dieser einheitliche Zuschnitt ermöglicht VerGLEICHbarkeit, denn hierfür ist die gleiche Systematik essentiell.
Im Vergleich:
- SAP: Prozesszuschnitt frei gestaltbar, abhängig von Geschäftsszenarien (z.B. O2C) oder Modulen
- PCF: Prozesse als Klassifikationselemente, kein einheitlicher Zuschnitt mit Start-/Endereignis
- ARIS: Prozesszuschnitt abhängig von Modellierungsentscheidung, keine verbindliche Regel
- REFA: Zuschnitt orientiert sich an Arbeitsvorgängen und Zeitabschnitten, nicht an Abteilungsergebnissen
Merkmal 4 – Vier klar abgegrenzte Darstellungsformen
Das Giersberg®-Prozessmodell nutzt für jede der vier Ebenen eine spezifische Darstellungsform: Prozesslandkarte (Ebene 1), BPMN-Prozessketten (Ebene 2), BPMN-Geschäftsprozesse (Ebene 3) und freie Darstellungsart für weiterführende Regelungen (Ebene 4). Jede Form hat einen klaren Zweck.
Im Vergleich:
- SAP: BPMN in allen Detaillierungsgraden, keine spezifischen Darstellungsformen pro Ebene
- PCF: Reine Textklassifikation, keine grafische Notation
- ARIS: Vielzahl an Notationen und Modelltypen (EPK, Organigramm, ERM etc.), Auswahl erfolgt projektspezifisch
- REFA: DIN 66001 Flussdiagramme, Wertstromdarstellung, keine BPMN-Notation
Merkmal 5 – Referenz für alle Darstellungsformen
Im Giersberg®-Prozessmodell ist die Prozesslandkarte (Ebene 1) die zentrale Referenz für alle nachgelagerten Ebenen. Jede Prozesskette, jeder Geschäftsprozess und jede weiterführende Regelung lässt sich eindeutig zur Prozesslandkarte zurückverfolgen.
Im Vergleich:
- SAP: Keine verbindliche zentrale Referenzebene, abhängig vom gewählten Strukturierungsansatz
- PCF: Category-Ebene als oberste Referenz, primär für Benchmarking-Zwecke
- ARIS: Keine verbindliche Referenz-Ebene, abhängig von Modellierungsentscheidungen
- REFA: Keine übergreifende Referenzebene, Fokus auf operative Arbeitsebene
Merkmal 6 – BPMN wird dort genutzt, wo es sinnvoll ist
Im Giersberg®-Prozessmodell kommt BPMN auf Ebene 2 (Prozessketten) und Ebene 3 (Geschäftsprozesse) zum Einsatz – dort, wo Abläufe, Verzweigungen und Verantwortlichkeiten detailliert dargestellt werden müssen. Die Prozesslandkarte (Ebene 1) nutzt bewusst keine BPMN-Notation, eine andere Darstellungsform ist leichter verständlich.
Im Vergleich:
- SAP: BPMN als Standard für alle Detaillierungsgrade
- PCF: Keine BPMN-Notation im Framework selbst, reine Prozessklassifikation in Textform
- ARIS: EPK als primäre Notation, BPMN als Alternative nutzbar
- REFA: DIN 66001 Flussdiagramme, keine BPMN-Notation
Merkmal 7 – Durchführungsverantwortung wird sauber dargestellt
Im Giersberg®-Prozessmodell wird ausschließlich die Durchführungsverantwortung visualisiert – die Mitarbeitenden der Abteilung, die den Prozess tatsächlich ausführen. Die Entscheidungsverantwortung wird nicht gezeigt, sie ist bereits im Organigramm festgelegt.
Im Vergleich:
- SAP: Freie Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten (RACI etc.), keine Einschränkung auf Durchführungsverantwortung
- PCF: Keine Visualisierung von Verantwortlichkeiten im Framework selbst
- ARIS: Organisationssicht als separate Darstellung, verschiedene Verantwortungstypen modellierbar
- REFA: Fokus auf ausführende Arbeitskräfte, keine differenzierte Verantwortungsdarstellung
Merkmal 8 – Prozesse werden konkret benannt und sind einfach zuordenbar
Im Giersberg®-Prozessmodell tragen Prozesse konkrete, praxisnahe Namen wie „Kundenauftrag anlegen" oder „Lieferantenrechnung prüfen". Die Benennung orientiert sich an der Fachsprache des Unternehmens – nicht an abstrakten Funktionsbegriffen.
Im Vergleich:
- SAP: Prozessbenennung frei gestaltbar
- PCF: Standardisierte, abstrakte Bezeichnungen für branchenübergreifende Vergleichbarkeit (z.B. „Develop and Manage Products")
- ARIS: Prozessbenennung projektspezifisch, keine verbindliche Namenskonvention
- REFA: Benennung orientiert sich an Arbeitsvorgängen und Tätigkeiten (z.B. „Werkstück einspannen")
Merkmal 9 – Prozessketten werden wertschöpfungsorientiert betrachtet
Im Giersberg®-Prozessmodell werden Prozessketten in drei Typen unterschieden: wertschöpfend (erzeugen Kundennutzen), supportend (erzeugen intern benötigte Ergebnisse) und managend (steuern das Unternehmen). Diese Unterscheidung zeigt klar, welche Prozessketten direkt zur Wertschöpfung beitragen.
Im Vergleich:
- SAP: Keine systematische Unterscheidung nach Wertschöpfungstypen, Strukturierung nach Modulen oder Geschäftsszenarien
- PCF: Unterscheidung in Operating, Management und Support Processes – ähnlich, aber als Benchmarking-Kategorien
- ARIS: Keine verbindliche Typisierung nach Wertschöpfung, projektspezifisch modellierbar
- REFA: Fokus auf wertschöpfende Produktionsprozesse, supportende und managende Bereiche weniger systematisch erfasst
Merkmal 10 – Die Gesamtheit des Unternehmens wird vollständig abgebildet
Das Giersberg®-Prozessmodell betrachtet auf Basis der Aufbauorganisation das Unternehmen holistisch. Es lenkt damit den Fokus weg von der Betrachtung einzelner funktionaler Bereiche hin zur Wahrnehmung des gesamten Unternehmens mit allen Einzelteilen.
Im Vergleich:
- SAP: Module decken verschiedene Bereiche ab, Vollständigkeit abhängig von Implementierungsumfang
- PCF: Bewusst nicht unternehmensspezifisch vollständig – als branchenübergreifendes Standardmodell für Benchmarking konzipiert
- ARIS: Vollständigkeit abhängig von Modellierungsentscheidungen, kein systematischer Vollständigkeitsanspruch
- REFA: Fokus auf Produktions- und Arbeitsabläufe, keine systematische Gesamtunternehmensabbildung
FAZIT
Prozessmodelle sind der Orientierungsrahmen, um die Abläufe Deines Unternehmens zu verstehen.
Es gibt hierfür verschiedene Ansätze, die den Fokus auf ein bestimmtes Ziel legen wie: PCF für branchenübergreifendes Benchmarking, SAP-Ansatz für ERP-Implementierungen, ARIS mit seiner Fünf-Sichten-Architektur oder REFA für produktionsnahe Optimierung.
Das Giersberg®-Prozessmodell ist das jüngste Modell und unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt: Es verbindet von Anfang an Aufbau- und Ablauforganisation und bildet das gesamte Unternehmen neutral ab.
Es schneidet jeden Geschäftsprozess einheitlich zu und bildet Dein gesamtes Unternehmen vollständig ab – ohne Lücken.
Wenn Du vor der Einführung eines ERP-Systems oder Managementsystems stehst, lohnt sich die BEschäftigung mit der Frage: Welches Prozessmodell passt zu den Zielen?
Faq
Für Unternehmensgruppen brauchst Du ein Prozessmodell, das sowohl die Eigenständigkeit der einzelnen Gesellschaften als auch die übergreifenden Strukturen abbildet.
Das Giersberg®-Prozessmodell ist hier ideal: Es leitet die Prozesse systematisch aus der jeweiligen Aufbauorganisation ab – und kann gleichzeitig gruppenweite Standards definieren. Jede Gesellschaft erhält ihre individuelle Prozesslandkarte, die zu ihrer Organisationsstruktur passt. Gemeinsame Prozessketten (etwa zentrale IT, Einkauf oder Controlling) lassen sich transparent als Shared Services darstellen.
So behältst Du den Überblick über Synergien und Schnittstellen – ohne die Strukturen der Tochtergesellschaften zu ignorieren.
Theoretisch ja, praktisch wird es kompliziert. Verschiedene Modelle nutzen unterschiedliche Logiken für Prozessschnitte, Verantwortlichkeiten und Hierarchieebenen. Das führt zu Inkonsistenzen, Übersetzungsaufwand und Verwirrung bei Mitarbeitenden.
Sinnvoller ist es, ein Prozessmodell als Basis zu wählen und bei Bedarf Elemente anderer Ansätze gezielt zu integrieren – etwa REFA-Zeitstudien innerhalb eines Giersberg®-Prozessmodells.
Nein, nicht zwingend. BPMN ist eine Notationssprache für die detaillierte Darstellung von Prozessabläufen – aber nicht jedes Prozessmodell setzt ausschließlich auf BPMN. PCF arbeitet textbasiert, REFA nutzt DIN 66001 Flussdiagramme, ARIS setzt primär auf EPK.
Im Giersberg®-Prozessmodell kommt BPMN auf den Ebenen 2 und 3 zum Einsatz, die Prozesslandkarte (Ebene 1) zeigt die Struktur jedoch ohne BPMN-Notation. Du brauchst BPMN-Kenntnisse erst, wenn Du Prozesse im Detail modellierst.
Das Prozessmodell wird nicht eingeführt, sondern angewendet. Ausgehend von dem Prozessmodell strukturierst Du die Abläufe Deines Unternehmens und bildest sie nach dem Modell ab.
Der Aufwand hängt von drei Faktoren ab: Unternehmensgröße, Komplexität der Abläufe und Reifegrad Deiner Prozessorganisation.
Ein durchdachtes Prozessmodell wie das Giersberg®-Prozessmodell reduziert den Aufwand durch klare Regeln für Prozessschnitte und einheitliche Darstellungsformen. Rechne für ein mittelständisches Unternehmen mit 50-200 Mitarbeitenden mit 3-6 Monaten für die Ersterfassung der Prozesslandkarte und der wichtigsten Prozessketten. Die Detaillierung erfolgt dann schrittweise nach Priorität.
Eine Teilabbildung – etwa nur der Kernprozesse oder nur der Produktion – lässt Lücken an den Schnittstellen. Du siehst nicht, wie supportende Bereiche wie IT, HR oder Einkauf mit den wertschöpfenden Prozessen verzahnt sind.
Ein vollständiges Prozessmodell wie das Giersberg®-Prozessmodell zeigt alle drei Prozessketten-Typen (wertschöpfend, supportend, managend) und macht sichtbar, wo Abhängigkeiten, Engpässe oder Doppelarbeiten entstehen. Das ist besonders wichtig vor ERP-Einführungen oder bei ISO-Zertifizierungen.
PCF ist ein branchenübergreifendes Standardmodell für Benchmarking – es zeigt, welche Prozesse typischerweise in Unternehmen vorkommen, aber nicht, wie Dein spezifisches Unternehmen organisiert ist.
Das Giersberg®-Prozessmodell dagegen leitet die Prozesse aus Deiner Aufbauorganisation ab und bildet Dein Unternehmen individuell ab. Es ist kein Vergleichsmodell, sondern Dein maßgeschneiderter Orientierungsrahmen.
SAP-Standardprozesse sind vorkonfigurierte Ablaufszenarien, die typische Geschäftsvorfälle in SAP-Modulen abbilden – etwa Order-to-Cash oder Purchase-to-Pay. Sie zeigen, wie Transaktionen im System funktionieren, aber nicht, wie Dein Unternehmen organisatorisch strukturiert ist.
Das Giersberg®-Prozessmodell bildet dagegen Deine gesamte Unternehmensarchitektur ab – unabhängig vom ERP-System. Es zeigt die Verbindung von Aufbau- und Ablauforganisation und dient als Grundlage, um zu entscheiden, welche SAP-Standardprozesse zu Deinen Abläufen passen und wo Anpassungen nötig sind (Fit-to-Standard vs. Customizing).
Quellenverzeichnis
[1] APQC, Process Frameworks, https://www.apqc.org/process-frameworks
[2] SAP News Center, SAP schließt Akquisition von Signavio ab, März 2021, https://news.sap.com/germany/2021/03/akquisition-uebernahme-signavio/
[3] Wikipedia, ARIS, https://de.wikipedia.org/wiki/ARIS
[4] 100 Jahre REFA, Entwicklungsgeschichte der REFA-Methoden und des Schrifttums, https://100-jahre-refa.de/entwicklungsgeschichte-der-refa-methoden-und-des-schrifttums
Weiterführende Ressourcen
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