Autorin Simone Glitsch, 24.03.2025

Business Process Reengineering – das Buch

Business Process Reengineering ist ein bahnbrechendes Managementkonzept.

Es wurde 1993 veröffentlicht. Mehr als 25 Jahre spĂ€ter ist es immer noch in den Top 10 der wichtigsten BeitrĂ€ge aus 40 Jahren Harvard Business Manager! 

Business Process Reengineering steht fĂŒr eine von zwei Denkschulen des Prozessmanagements.

Ich halte BPR fĂŒr mindestens ebenso wichtig wie das GeschĂ€ftsprozessmanagement. Doch Business Process Reengineering scheint mir aus der öffentlichen Aufmerksamkeit fast verschwunden zu sein.

Hiermit möchte ich einen Beitrag zu mehr VerstÀndnis und Verbreitung dieser Methode des Prozessmanagements leisten.

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Business Process Reengineering

Michael Hammer, James Champy, 1994, Business Reengineering - Die Radikalkur fĂŒr das Unternehmen, 4. Auflage, Campus

Kernaussage

Unternehmen mĂŒssen sich heute anders aufstellen. Die Strukturen, die zum Beginn der industriellen Revolution gut waren, passen nicht zu den Anforderungen des 21. Jahrhunderts.

Statt einen Massenmarkt zu befriedigen, geht es nun darum, den Statt auf Effizienz durch stÀrkere Arbeitsteilung zu setzen, ist eine Umkehr - ein Zusammenlegen von Prozessen - notwendig.

Ein radikales Überdenken der bisherigen Arbeitsweise ist erforderlich.

Ausgehend vom BedĂŒrfnis des Kunden sind die Prozesse fundamental neu zu gestalten.
DafĂŒr braucht es selbstverantwortliche Mitarbeiter, die durch FĂŒhrungskrĂ€fte unterstĂŒtzt werden.

Das Buch 'Business Reengineering'

Kapitel 1 - Eine Krise, die nicht vorĂŒbergehen wird

Arbeitsteilung ist in Einzelaufgaben zerlegte Arbeit am großen Ganzen.

Das ist das Erfolgsgeheimnis der industriellen Revolution. Dadurch entstand die Effizienz.


Die massenhafte Nachfrage konnte erfolgreich bedient werden, die Unternehmen konnten schnell wachsen.

Dieses Muster wirkt bis in die heutige Zeit.


Doch der Markt hat sich gewandelt.

Heute gibt es kritische Kunden, die man in einem harten Wettbewerbsumfeld fĂŒr sich gewinnen muss.

Heute gilt es, das beste Produkt zum gĂŒnstigsten Preis in der kĂŒrzesten Zeit dem Kunden zu bieten.

Effizienz allein reicht nicht mehr.

Folglich sind die Unternehmensstrukturen an die geÀnderten Anforderungen anzupassen.

Der Kunde muss im Zentrum stehen.

Es bedarf strategischer Weitsicht der Unternehmenslenker, um die Notwendigkeit eines radikalen Umbaus zu erkennen.

Kapitel 2 - Business Process Reengineering – Der Weg zum Wandel

Was ist Business Process Reengineering?

Die Autoren nennen ihr Konzept Business Reengineering, nicht Business Improvement.

Sie bezeichnen es Re-Engineering – weil es ihnen nicht um die Optimierung des Bestehenden geht, sondern die radikale Neugestaltung des Unternehmens, so als wenn man auf der grĂŒnen Wiese eine neue Firma nach modernsten Standards aufziehen wĂŒrde.

Sie fĂŒgen das Wort Process vor dem Reengineering ein, weil sich das Unternehmen im Kern nach seinen AblĂ€ufen orientieren soll.

Michael Hammer und James Champy sind ĂŒberzeugt: Durch BPR können Unternehmen Verbesserungen in GrĂ¶ĂŸenordnungen erzielen. An Beispielen erlĂ€utern die Autoren, was sie damit meinen.

Kapitel 3 - Überdenken von Unternehmensprozessen

Wie nach dem Konzept der Arbeitsteilung ĂŒblich, werden die Aufgaben in immer kleinere Einheiten zerlegt und an viele Bearbeiter ĂŒbertragen.

Die Autoren plĂ€dieren fĂŒr eine Abkehr von dem Konzept.

Sie schlagen eine Zusammenfassung der Aufgaben vor.

Caseworker – KundenservicereprĂ€sentanten â€“ sollen fĂŒr einen Prozess von Anfang bis Ende verantwortlich und alleinige Ansprechpartner fĂŒr den Kunden sein.  

Wenn es mehrerer Personen bedarf, dann arbeiten diese nicht mehr in ihren Abteilungen, sondern als Caseteam zusammen.

Vorteile sind beispielsweise (ZwischenĂŒberschriften der Seiten 72- 87):

  • Die Arbeit wird dort erledigt, wo sie am sinnvollsten ist
  • Weniger Überwachungs- und Kontrollbedarf
  • Abstimmungsarbeiten reduzieren sich auf ein Minimum

Kapitel 4 - Die neue Arbeitswelt

Aus Fachabteilungen werden Prozessteams.

Es werden Menschen gebraucht, die als Generalisten von allem etwas verstehen, die sich als Sprecher der Kunden sehen und das Caseteam als Coach unterstĂŒtzen können.

Diese Funktionsweise der Unternehmen wird zu neuen Berufsbildern fĂŒhren. Es bedarf immer weniger Aufseher und stupide abarbeitender BefehlsempfĂ€nger.

Damit verbunden ist ein anderes VerstĂ€ndnis der Art, wie wir zusammenarbeiten:

  • Mitarbeiter sollen empowert, statt kontrolliert werden
  • Die VergĂŒtung soll sich auf Ergebnisse statt TĂ€tigkeiten beziehen
  • Der Fokus soll auf die ProduktivitĂ€t statt Absicherung der Position richten

Wenn die Mitarbeiter in den Caseteams die Entscheidungsbefugnis bekommen, brauchen sie weniger Manager – sie koordinieren ihre Arbeit direkt miteinander. Die Hierarchie weicht der flachen Organisation.

Kapitel 5 - Die tragende Rolle der Informationstechnologie

Die Autoren zollen den neuen Möglichkeiten durch Informationstechnik Anerkennung.

Sie warnen jedoch sehr eindrĂŒcklich:

„Der falsche Einsatz der Technologie kann sogar Business Process Reengineering gĂ€nzlich verhindern, indem er alte Denkweisen und Verhaltensmuster verstĂ€rkt.“ Seite 112

Sie insistieren, dass nicht die vertrauten AblĂ€ufe durch Automatisierung schneller gemacht, sondern die AblĂ€ufe durch IT grundlegend neugestaltet werden sollten. Beispielsweise indem man von ĂŒberall und jederzeit an die Daten kommt ein Wissen, das 1993 noch wenig bekannt war.

Kapitel 6 - Business Process Reengineering – Die Mitwirkenden

In diesem Kapitel stellen die Autoren vor, wer beim Business Process Reengineering welche Rolle einnehmen sollte.

Sie zÀhlen als notwendige Rollen auf:

  • Leader
  • Prozessverantwortlicher
  • Reengineering-Team
  • Lenkungsausschuss
  • Reengineering-Zar

„Im Idealfall sehen die Beziehungen zwischen diesen Rollen so aus: Der Leader benennt einen Prozessverantwortlichen, der seinerseits ein Reengineering-Team zusammenstellt. Mit UnterstĂŒtzung des Reengineering-Zars und unter der Leitung des Lenkungsausschusses macht sich dieses Team daran, einen Unternehmensprozess neu zu gestalten.“ Seite 135

Kapitel 7 - Business Process Reengineering – Die Jagd nach Möglichkeiten

„Gegenstand des Business Process Reengineering sind Unternehmensprozesse, nicht Organisationseinheiten.“ Seite 153

Zuerst mĂŒssen Prozesse identifiziert werden. Hierbei sollte konsequent vom Kunden aus gedacht werden.

FĂŒr Benennung der Prozesse schlagen die Autoren die Anfangs und Endpunkte vor. So beispielsweise fĂŒr die Auftragsabwicklung von Auftrag bis Zahlung.

FĂŒr die Auswahl der zu bearbeitenden Prozesse empfehlen die Autoren folgende Kriterien:

  • Dysfunktionale Prozesse
  • Wichtige Prozesse
  • Machbarkeit und Erfolgschancen

Nach der Auswahl gilt es fĂŒr das Reengineering-Team zu verstehen, was der Prozess bewirkt und was nicht gut funktioniert.

Der Prozess sollte jedoch nicht in allen Einzelheiten analysiert werden, da nicht Prozessoptimierung, sondern ein Redesign angestrebt wird.

Das Gesamtbild ist entscheidend.

Die Autoren weisen darauf hin, dass sich viele Projekte hier in detailliertesten Analysen verlieren und „Berge quantitativer Daten“ sammeln.

Kapitel 8 - Erfahrungen beim Redesign von Unternehmensprozessen

In diesem kurzen Kapitel wird auf den ersten Tag – das Prozessdesign – eingegangen.

Das Reengineering-Team gestaltet in einem Workshop – nach dem Prinzip des Caseworkers – den Prozess neu. Es wird angestrebt, möglichst wenige Menschen an einem Prozess zu beteiligen.

Die aktive Hinterfragung von allgemeingĂŒltig geglaubten Annahmen und die disruptive Kraft der Informationstechnologie sollen zu einer aufgeschlossenen Gestaltung des neuen Prozesses beitragen.

Weil Business Process Reengineering Neuland ist, stellt die Ăœberwindung der erlernten Denkmuster eine große Herausforderung dar. Das jedoch macht dem Team erfahrungsgemĂ€ĂŸ viel Spaß.

Kapitel 9 - Der Einstieg ins Business Process Reengineering

Weniger Spaß ist die Herausforderung, die Belegschaft von dem radikalen Wandel zu ĂŒberzeugen. Ăœber die Tragweite sind sich die Autoren bewusst und empfehlen eine fortwĂ€hrende AufklĂ€rungs- und Kommunikationskampagne.

Diese sollte den Ist-Zustand, den Grund fĂŒr die Notwendigkeit und das Soll-Bild enthalten. Mit mehreren Beispielen wird dies unterfĂŒttert.

Kapitel 10 – 13 beschreiben Use Cases

Kapitel 14 – Business Process Reengineering mit Erfolg

Mit großem Bedauern reflektieren die Autoren, dass Business Process Reengineering in vielen Unternehmen nicht gelungen ist.

Sie gehen auf hÀufigste Fehler ein, wie:

  • Optimierung eines alten Prozesses statt radikalem Prozessdesign
  • Keine Fokussierung auf Unternehmensprozesse
  • Behinderung des Business Process Reengineering durch die derzeitige Unternehmenskultur und Haltung des Managements
  • Sparen an den fĂŒr das Business Prozess Reengineering bereitgestellten Ressourcen
  • Business-Process-Reengineering als eines unter vielen Unternehmenszielen

Doch Michael Hammer und James Champy sind zuversichtlich, dass sich ihr Managementkonzept durchsetzen wird. Es ist strategisch richtig, auch wenn es zumeist noch nicht gelungen ist.
Epilog

Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich um eine Transformation â€“ das Ersetzen von alten durch völlig neue Praktiken – handelt (ohne jedoch diesen Begriff so zu nennen).

FAZIT zum Buch Business Process Reengineering

Ich habe Dir kapitelweise einen Überblick ĂŒber die wichtigsten Aussagen des Buches zusammengestellt. Manche Passagen sind so auf den Punkt formuliert, dass ich es nicht besser machen könnte. Da arbeite ich mit Zitaten.

Ich habe das Buch nun zum zweiten Mal durchgearbeitet.

Im Spiegel der Erfahrungen aus meinen Beratungsprojekten in Anlehnung an das Konzept, erzeugt bei mir die Denkleistung der Autoren noch mehr Respekt. So ist der Artikel auch meine Verbeugung und Dankeschön an die Autoren.

Ich teile an einigen Stellen nicht die Meinung der Autoren.

An anderen Stellen fehlen aus meiner Sicht wichtige Aspekte.

Und heute schauen wir in Kenntnis aktueller Entwicklungen anders auf den vor dem Jahr 1993 entstandenen Text.

Dies alles ist hier nicht eingeflossen. 

Dazu habe ich weitere Artikel verfasst. 

Simone Glitsch

Mentorin fĂŒr Inhouse Prozess-Projekt-Leitungen

Simone Glitsch, ich bin Expertin fĂŒr prozessorientierte Unternehmenstransformation.

FrĂŒher war ich klassische Beraterin. Doch nach 25 Jahren und ĂŒber 100 Projekten habe ich beschlossen: Ich mache es anders.
Heute bin ich darauf spezialisiert, Prozess-Projekte fĂŒr große Unternehmen erfolgreich zu machen.
Statt ‚Versuch und Irrtum‘ fĂŒhre ich meine Kunden mit meinem GiersbergÂź-Prozesssystem schnell und mit geringstem Aufwand zum Ergebnis. Ich stehe Dir als Projektleiter:in als Mentorin zur Seite und unterstĂŒtze Dich mit einem Train-the-Trainer System.

So wirst Du erfolgreich in Deinem Unternehmen eine prozessorientierte Organisation mit Prozessautomatisierung umsetzen.

Mehr dazu auf meiner Webseite https://simoneglitsch.de/



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